Ist es nicht interessant, wo man manchmal landet, wenn man so ohne jeglichen Plan reist? In unserem Fall sind wir in Dingo gelandet, ein kleines Örtchen zwei Stunden westlich von Rockhampton an der Ostküste Australiens. Als das Geld langsam knapp wurde und wir uns nach einem Job umgesehen haben, sind wir auf die Anzeige des Dingo Roadhouses gestoßen und haben uns mir nichts, dir nichts beworben, obwohl wir damals nicht einmal genau wussten was ein “Roadhouse” eigentlich ist. Genauso wenig wussten wir, welchen Job wir genau ausführen würden und wo zur Hölle Dingo liegt. Doch spontan wie wir (manchmal) sind, haben wir den Job nach Zusage angenommen und sind in unserem Brummi bereits einen Tag später nach Dingo gedüst (na gut, nicht wirklich gedüst, 80 km/h ist bei uns der Durchschnitt :)). Von Kilometer zu Kilometer haben wir gemerkt, dass die Wiesen und Wälder um uns herum immer wilder wurden, die Flächen wurden weiter und freier, die wilden Kakteen größer und stachliger und die Gegend einsamer und diesiger. Und mitten im Nichts taucht auf einmal das Ortseingangsschild auf: Willkommen in Dingo.


Nach einem freundlichen Vorstellen des Managers und des Teams, ging es auch schon zur Jobeinführung: Ich sollte den Kassenbereich zu meinem Reich machen, während mein Partner als “Floater” für Ordnung sorgt (in den Kühlschränken, im Lager und in den Zimmern). Klingt alles simpel, aber ich habe noch nie im Leben eine Kasse bedient, geschweige denn in der Gastwirtschaft gearbeitet. Nebenbei war es manchmal das achte Weltwunder für mich, dass ich Kunden mit den stärksten Dialekten, welche es kaum geschafft haben den Mund zu öffnen, zu bedienen. Am schlimmsten war es, wenn diese dann auch noch Zigaretten wollten (erst einmal hat es fünf Minuten gedauert bis ich verstanden habe, welche Marke und welche Größe sie wollten, habe dann 5 Minuten gebraucht um endlich die entsprechende Reihe im Zigarettenschrank zu finden, um dann fest zu stellen, dass diese Zigarentten-Marke leider ausverkauft war. Also das ganze Spiel von vorn während der Kunde immer grimmiger und zittriger und die Kundenschlange immer länger wurde :)). Nichtsdestotrotz wurde ich immer sicherer hinter meiner Kasse und habe die Leute von Tag zu Tag mehr kennengelernt. Zu den Kunden zählten viele Truckfahrer, welche Tag ein und Tag aus Halt im Roadhouse machten, als auch Durchreisende und Backpacker wie wir. Es war immer schön, einen kurzen Plausch mit den Gästen zu führen und ich war positiv überrascht über all die Freundlichkeit um mich herum, vor allem als man sich etwas besser kannte. Und so wurde auch der grummeligste Truckfahrer zum Lieblingskunden 🙂


Ich habe während meiner Zeit nicht nur gelernt wie man eine Kasse bedient (ja, ist ja auch nicht so schwer, man braucht nur etwas Zeit um rein zu kommen), sondern auch wie man mit den verschiedensten Gästen umgeht und das ein freundliches Lächeln einfach so viel ausmacht und jemand anderem den Tag auch nur ein wenig besser machen kann. Ich weiss, das ist nichts Neues, aber wenn man am Tag an die 500 Kunden bedient, wird einem das nochmal viel deutlicher. Zudem habe ich nun auch das australische Junk-Food 1×1 voll drauf. Kabana, Batt Sav, Crumbed Sausage, Sausage Roll, Chiko, Corn Jack, Potatoe Scollop oder Chicken Tender? Ich kenn sie alle! Nicht das gesündeste Essen, aber wenigstens habe ich mit meiner Mission “Mehr Mut zum gesunden Essen” wenigsten einen Kunden am letzten Tag überzeugen können. Und so wurde anstatt des Work Burgers (mit doppelt und dreifach Fleisch und Bacon, ohne jeglichen Salat) ein Veggie-Burger bestellt. Also wenn das nichts ist! Ich zähle das definitiv als meine gute Tat 🙂


Ich muss außerdem zugeben, dass ich unendlich stolz auf mich bin, dass ich 10 Wochen in Dingo ausgehalten habe, wohlwissend dass mit unserer Ankunft auch die Schlangen-Saison begonnen hat und das nächste Krankenhaus 30 Minuten Fahrtweg entfernt war (nach einem Schlangenbiss hat man wohl gut 30 min Zeit um sich mit Gegengift spritzen zu lassen – wäre also ‘ne knappe Sache). Während unserer Zeit haben wir auch tatsächlich zwei Schlangen angetroffen (auch eine braune!) und zwei nur knapp verfehlt. Aber dieses Risiko gehört wohl zu einem echten Outback Erlebnis dazu, schätze ich. Aber abgesehen von dem gefährlichen Wildlife, durften wir auch eine große Känguru-Familie zu unseren Nachbarn zählen. Fast jeden Abend und jeden Morgen hatten wir von ihnen Besuch in unserem Garten und es gibt nicht Schöneres als diese niedlichen Tiere zu beobachten. Sogar unser Lieblingskänguru (Liebling deshalb, weil es aufgrund seines Schlitzohres das einzige war, welches wir sicher wieder erkennen konnten), kam am letzten Tag vorbei um Lebewohl zu sagen (so meine Interpretation des Besuches).


Dingo ist wirklich ein sehr kleines Örtchen, in dem die Zeit manchmal ein wenig stehen geblieben ist und wo das Leben ganz simpel gelebt wird. Unsere Zeit dort hat sich wie eine Auszeit von all dem Trubel in der Welt angefühlt und wir haben es sehr genossen so viel Zeit für uns zu haben, denn es gibt buchstäblich nichts zu tun nach der Arbeit und somit keinerlei Ablenkung. Die Zeit zum Kochen, Backen, Fotografieren, Lesen war wie eine Wohltat. Während unserer zehn Wochen haben wir uns ein wenig wie ein Teil der Community gefühlt. Man kannte die Spitznamen der Leute, wusste wer wo wohnte und wurde von jedem auf der Straße gegrüßt. Es war eine kleine Bereicherung die Leute kennenzulernen und deren Geschichten zu hören. Natürlich sind wir auch froh all die tollen Kollegen und backpacker kennengelernt zu haben, welch aus der ganzen Welt kamen. Wie es so ist, wenn viele auf einem Haufen leben und arbeiten, bleibt ein wenig Geläster nicht aus und es gibt hier und da auch mal Reibereien. Aber dennoch hat es sich wie eine Art Familie angefühlt – die Roadhouse Crew :)) Wir sind echt dankbar für diese Erlebnis und werden alle in guter Erinnerung behalten und gern an unsere Zeit in Dingo zurückdenken.


♥ The end ♥
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